Das Verlags­gebäude

 

Der Fertigstellung des neuen Verlagsgebäudes in Passau-Patriching im Jahre 1991 gingen zahlreiche Gespräche zwischen Verlagsinhaber Gregor Peda und Architekt Peter Heckel voraus.

Sicher war, ein ausgefallenes architektonisches und gestalterisches Konzept sollte das Verlagsprinzip auf ästhetische Weise widerspiegeln und dennoch alle Annehmlichkeiten eines modernen Arbeitsplatzes bieten.

Das zweigeschossige Verlagsgebäude wurde als ein Zentralbau konzipiert, dem an den Seiten der vier Haupthimmelsrichtungen je ein Halbzylinder angefügt worden ist, so dass der Grundriss als Vierpass erscheint. Die Anbindung der Halbzylinder an den Zentralraum erfolgt durch schmale Fensterbahnen, die fast über die gesamte Mauerhöhe reichen. Diese „Lichtschlitze“ werden optisch bis zur Traufe durch reliefierte Fensterstürze von der Hand des akad. Bildhauers Leopold Hafner verlängert. Die Zylinderkörper wirken durch diese Fenstergestaltung als lose an den Oktogonkern des Hauses angestellte Raumschalen. Der weitgehend geschlossene östliche Halbzylinder ist der Straße zugewandt. Über der Eingangstür wurde ein Glasdach angebracht, das den hufeisenförmigen Zufahrtsweg einladend betont. Die vier das Glasdach stützenden Säulen erinnern an die vier Länder, in denen der Verlag zur Zeit der Planung tätig war. Heute sind die Publikationen des Peda-Verlages bereits in elf europäischen Nationen anzutreffen.

Im Eingangszylinder führt der Weg des Besuchers über eine sanft gebogene Edelstahlbrücke. Unter ihr befindet sich ein künstlich angelegter Teich, der für ein angenehmes Raumklima sorgt. Links und rechts vom Eingang führen zwei Treppenläufe an den Zylinderwänden entlang nach oben. Nur dieser Eingangsraum ist durch zwei gebogene Mauerzungen als Vollzylinder erfahrbar. An der kreisrunden Decke wurde von dem akad. Bildhauer Leopold Hafner ein flaches Betonrelief gestaltet, das an das menschliche Auge – das kostbarste Arbeitsgerät des Fotografen erinnert. Sinnfällig -korrespondiert es mit der widerspiegelnden Wasseroberfläche. Nach dem Überqueren der Brücke gelangt man in den zentralen Büroraum. Die räumliche Gliederung des großzügig bemessenen Raums, die gleichzeitig die räumliche Verteilung der hier angesiedelten Arbeitsbereiche klärt, geschieht einzig und allein durch die Gestaltung der Decke. Lediglich das zentrale Chefbüro im südlichen Halbzylinder ist um drei Stufen erhöht und durch eine Trennwand abgeschlossen. Um den Gesamteindruck nicht unnötig zu beeinträchtigen, wurde die übrige Raumgliederung durch Schränke und Büromöbel vorgenommen. Die erkennbare Rücksichtnahme auf die Architektur äußert sich vor allem darin, dass alle acht Rundpfeiler freistehend sind und in ihrer Funktion als Stützen erkennbar blieben.

Für die Raumausstattung wurden hauptsächlich die natürlichen Materialien Stein, Holz, Glas und Leder verwendet. Großen Wert legte der für die Ausstattung verantwortliche Innenarchitekt Franz Hafner bei der Innenraumgestaltung auf die Farben, die sich vorwiegend in den Bereichen Hellbeige, Mittelbraun und Rosé bewegen. 

Im Untergeschoss finden unter anderem die digitale Bildbearbeitung, die elektronische Bildarchivierung sowie das Equipment für die Druckvorstufe Raum.

Außerdem birgt es den speziell auf die Erfordernisse der Kunstfotografie abgestimmten großen Archivraum mit besonderen klimatischen Bedingungen für die analoge Fotografie.

Mit diesem Verlagsgebäude gelang eine glückliche Verbindung von Form und Funktion, die ohne die hervorragende Zusammenarbeit zwischen dem Auftraggeber, dem Architekten, dem Bildhauer und den Ausstattungskünstlern nicht realisierbar gewesen wäre. Die komplexe Betriebsstruktur des Kunstverlags Peda ist somit in einem bis ins Detail durchdachten Gebäude beheimatet, das nicht nur angenehmes Arbeiten in einer ansprechenden Atmosphäre gewährleistet, sondern auch den durch Individualität und Kreativität gekennzeichneten Produkten des Hauses entspricht.